Joachim Riedl und Richard Schneider berichten am 11.05.2010 in der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem umfangreichen und sehr lesenswerten Artikel darüber, dass die Ermittler im Kriminalfall der Kärntner Skandalbank Hypo Alpe Adria auf viele Profiteure der Kämpfe auf dem Balkan gestoßen sind. In dem Beitrag heißt es unter anderem:
(Veit) Heinichen blättert in seinem Roman „Totentanz“ und zitiert eine Passage, die sich mit dem protzigen Millionärsrefugium beschäftigt: „Vor Jahren bereits hatte dort eine Allianz aus Angehörigen der scharfmacherischen Lega Nord, Kärntner Hochfinanz und alter kroatischer Nomenklatura mitten im Naturschutzgebiet einen enormen Betonkomplex in Angriff genommen… Inzwischen ermitteln die Staatsanwälte wegen betrügerischem Bankrott.“ Diese Sätze schrieb Heinichen vor drei Jahren.
Schon damals richtete er stets seinen Blick nach Klagenfurt, wenn er in seinen Kriminalromanen von sinistren Finanztransaktionen in und aus der Grenzregion an der Adria erzählte: Stets operiert darin die Hausbank der Balkan-Mafia am Ufer des Wörthersees. Und zum Dank wird das dienstbare Geldinstitut von seinen ehrenwerten Geschäftspartnern ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.
Tatsächlich ermitteln heute im Fall der Rezidencija Skiper und ihrer Geldgeber Staatsanwälte in Klagenfurt und Zagreb und versuchen, das verworrene Finanzabenteuer rund um das ehrgeizige Investitionsprojekt zu durchleuchten. Unterstützt werden sie dabei von kroatischen Geheimdienstleuten, Finanzfahndern, Wirtschaftspolizisten und einer Ermittlungstruppe des Finanzministeriums in Wien, die sich plakativ „CSI Hypo“ nennt. (…)
Gleichgültig sahen Aufsichtsorgane und Politiker zu, wie die ungestümen Geldjongleure auf immer gewagteren Geschäftsfeldern herumturnten. Niemand wollte es sich mit dem verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider, dem erratischen Problemkind der Innenpolitik, verderben, der sich schamlos bei seiner großmannssüchtigen Provinzbank bediente, um seine Eskapaden und Prestigeprojekte zu finanzieren. Landesvater und Landesbank, beide waren dem Wahn verfallen, in der jeweiligen Champions League ihrer Metiers ganz vorn mit dabei zu sein. Unzureichende Strukturen, überforderte Banker, chaotische Zustände, Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, kurz die verhängnisvolle Allianz von Inkompetenz und Impertinenz, die sich in dem Kärntner Biotop ausgebreitet hatte, haben zweifellos einen beträchtlichen Anteil an dem Debakel. Ausschlaggebend aber war, dass das Ziel, in die Oberliga der europäischen Finanzdienstleister aufzusteigen, jedes Mittel rechtfertigte. (…)
Der Geheimdienstreport behauptet, Franjo Tudjman, der autokratische Staatschef Kroatiens, habe Mitte der neunziger Jahre gemeinsam mit seinem Vertrauten Ivić Pašalić, dem Generalsekretär der nationalistischen Regierungspartei HDZ, den Plan gefasst, »200 Familien die Verfügungsgewalt über das kroatische Staatseigentum« zukommen zu lassen. Pašalić sei deshalb in Verhandlungen mit der Hypo Alpe Adria getreten, die damals noch bescheiden den Namen Kärntner Landes- und Hypothekenbank führte. »Die politische Führung wählte die Hypo Alpe-Adria deshalb aus«, heißt es in dem Dossier (das der ZEIT vorliegt), »weil sie über diese Bank mehr als eine Milliarde ausgesaugten kroatischen Geldes in Umlauf gebracht hatte, das mithilfe von Parainvestmentfonds, die von der Hypo Alpe-Adria erdacht worden waren, kontinuierlich nach Italien, Liechtenstein, die Schweiz und wieder zurück nach Kroatien floss«. Unklar bleibt, ob die kroatischen Ermittler damit auch auf Vermutungen anspielen, bereits vor dem Zerfall Jugoslawiens hätten Nationalistenkreise rund um Tudjman hohe Beträge von Staatsfirmen abgezweigt und in Klagenfurt gebunkert. (weiter lesen)