Österreich | 25.01.2010 | eurorex

Österreich: Mobilisierung gegen Burschenschafter-Ball auf der Wiener Hofburg

Das alternative Infoportal Indymedia berichtet am 25.01.2010 über die Mobilisierung gegen den Ball des Wiener Korporationsrings (WKR), der am 29.01 auf der Wiener Hofburg stattfinden soll. Dort heißt es:

Am 29.Januar findet in Wien wieder ein Großevent der rechten Szene statt: der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) in der Wiener Hofburg. Jedes Jahr kommen etwa 2.000 Besucher_innen zum Rechtswalzer nach Wien – der WKR Ball ist damit das größte „couleurstudentische Gesellschaftsereignis“ im deutschsprachigen Raum.

Was ist der WKR?
Im WKR sind die am weitesten rechts stehenden, deutschnationalen Burschenschaften vereinigt. Allen im WKR organisierten Gruppen kann ein sexistisches und reaktionäres Weltbild bescheinigt werden. Bei einigen geht es aber noch deutlich weiter.

Die bekannteste Verbindung die sich im WKR organisiert ist sicherlich die Burschenschaft Olympia, die momentan auch den Vorsitz im WKR innehat. Der erste politische Tote der zweiten Republik geht aufs Konto dieser Burschenschaft. Bei einer Demo 1965 gegen den antisemitischen Universitätsprofessor Taras Borodajkewycz wurde der Antifaschist Ernst Kirchweger vom Olympen Günther Kümel so schwer verletzt, dass er wenige Tage später an den Verletzungen verstarb.

Ebenfalls prominent beteiligt waren Olympen bei mehreren Bombenanschlägen in Südtirol in den 1960er Jahren, was auch zu ihrer vorübergehenden Auflösung führte. Der Holocaustleugner David Irving wurde 2005 auf dem Weg zur Bude der Olympia verhaftet.

Aber nicht nur bei der Olympia trifft sich die rechtsextreme und neonazistische Szene. Egal ob Gottfried Küssel, Gerd Honsik, Norbert Burger oder Franz Radl junior. Nahezu die gesamte Prominenz des österreichischen Rechtsextremismus entspringt dem korporierten Milieu.

Der Ball
Der Ball dient vor allem der Vernetzung von FPÖ, Burschenschaften und anderen österreichischen und europäischen Faschist_innen und Rechtsaußen-Gruppierungen. Neben Vertreter_innen der beiden österreichischen Rechtsparteien waren in den letzten Jahren Führungskader von pro Köln, pro NRW, Vlaams Belang, Dänischer Volkspartei, DVU, Front National, der SVP aus der Schweiz und anderen europäischen Rechtparteien am WKR-Ball vertreten. Daneben rufen auch die üblichen Naziseiten wie die neonazistische Plattform alpen-donau.info dazu auf, den Ball zu besuchen.

Proteste dagegen
In den letzen Jahren gab es massiven Protest gegen das rechte Tanz- und Vernetzungsevent. Heuer gibt es bereits im Vorhinein eine ganze Reihe an Veranstaltungen, die sich mit den reaktionären Männerbünden und ihrer Ideologie beschäftigen.

Am Tag des Balles rufen auch heuer verschiedene linke Gruppen unter dem Motto „En Garde. WKR-Ball anfechten!“ zu einer antifaschistischen Demonstration auf. Innerhalb dieser Demo gibt es Aufrufe zu verschiedenen Aktionsformen, wie z.B. zu einem Fahrradblock oder einem Queer-feministischen Block.

Die nowkr-Demo hat sich in den letzen Jahren sicherlich zu einer der größten Antifa-Demos in Österreich entwickelt. Dementsprechend wird auch von Seiten der FPÖ jedes Jahr vor der dem WKR-Ball gegen die „Linksterroristen“ und „deutschen Berufsdemonstranten“ gehetzt.

Neben der Demo soll es auch dezentrale Aktionen und Blockaden geben. In unmittelbarer Nähe des Burschiballs soll auch ein linkes Straßenfest stattfinden. Danach gibt es noch eine After-Demo Party im Ernst Kirchweger Haus (EKH) und am nächsten Tag den Antifa Kongress, der Platz zu Vernetzung und Diskussion bieten soll.

Wir sehen uns hoffentlich am Freitag, nach Wien kommen zahlt sich jedenfalls aus. In diesem Sinne: WKR-Ball zum Desaster machen!

Weitere Informationen finden sich auf dem Webblog http://nowkr.wordpress.com/, darunter auch der Aufruf zu den Gegenveranstaltungen (PDF).

Ein ausführlicher Reader mit dem Titel „Völkische Verbindungen – Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich“ kann hier heruntergeladen werden.

Aktuelle Infos bietet zudem der nowkr-Twitter „WKR-Ball anfechten!

2 comments to Österreich: Mobilisierung gegen Burschenschafter-Ball auf der Wiener Hofburg

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