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Schweiz: SVP polemisiert nun auch gegen deutsche „Gastarbeiter“

Nach dem Erfolg mit ihrer Anti-Minarett-Initiative holt die nationalkonservative SVP nun zum nächsten Schlag aus. Diesmal hat sie die in der Eidgenossenschaft werktätigen Deutschen im Visier. Die zentrale These ihrer Kampagne: An der Zürcher Uni und in den Krankenhäusern mache sich „deutscher Filz“ breit. „Ausländische Ellbögler drängen an unsere Arbeitsplätze“, hieß es am 15. Dezember in einer Anzeige der Neuen Zürcher Zeitung – und dass „arrogante Ausländer“ auch an den hohen Mieten in Zürich Schuld seien. Überhaupt ist der Stil durchweg ruppig, mit dem die SVP in den Wahlkampf für die Gemeinderatswahl in Zürich geht. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet dazu unter anderem:

Eingebettet ist die Anzeige in eine Kampagne mit Plakaten und Inseraten, in der die SVP offen fremdenfeindlich auftritt: Die Zürcher Rechtspopulisten beklagen „Mord und Totschlag“ auf den Straßen der Stadt. Die meisten Täter seien „Ausländer“, viele davon „gefühlslose Schlägerkinder“. Es geht gegen Einwanderer, die es sich auf Steuerzahlers Kosten „in der sozialen Hängematte bequem machen“ und auf Ämtern Angestellte „beleidigen und bedrohen“. Schuld seien die „Linken und Naiven“: „Sie holen immer mehr Ausländer in unsere Stadt“, heißt es auf den Plakaten und Inseraten. [weiter lesen]

Zumindest die „Linken und Naiven“ an den Hochschulen haben inzwischen reagiert. In einem ganzseitigen Inserat warfen 200 Zürcher Professorinnen und Professoren der SVP vor, sie torpediere mit ihrer rassistischen und fremdenfeindlichen Rhetorik, Ideologie und Politik torpediere die Ausbildung der Jugend und vergifte die Gesellschaft. Die Partei agitiere gegen „das, was unsere Stadt und unser Land lebenswert macht: die freundschaftliche Nachbarschaft unterschiedlicher Kulturen“.

Die rechtskonservative Schweizer Weltwoche findet den Kurs der SVP hingegen völlig richtig. In einem Kommentar polemisiert Chefredakteur und Herausgeber Roger Köppel nicht gerade auf höchstem Niveau:

Heute fühlen sich deutsche Professoren an Schweizer Universitäten unanständig angegriffen, weil ihnen die SVP in einem Inserat vorwarf, sie würden durch Vetternwirtschaft ihre beträchtliche und zunehmende Präsenz an den Fakultäten weiter verstärken. Der Verdacht ist berechtigt. Vor allem der geisteswissenschaftliche Bereich ist eine Sonderzone, die nach eigenen Gesetzen funktioniert. Leistung und Wettbewerb werden als Auswüchse marktwirtschaftlicher Irrlehren gemieden. (…) Der hohe Anteil deutscher Universitätsmitarbeiter kann ja nicht allein dadurch zu erklären sein, dass Deutschland die besten Akademiker der Welt produziert. Wahrscheinlicher ist das Gegenteil. Wären die deutschen Unis besser, hätten wir nicht so viele deutsche Professoren in der Schweiz. [weiter lesen]

Nur folgerichtig, dass Köppels Blatt gleich noch eine „Nachforschungen über den deutschen Filz“ angestellt hat.

Weitere Meldungen zum Thema:
„Wer ist hier arrogant?“, 20 Minuten Online, 05.01.2010
„SVP national gegen Deutsche“, a-z.ch, 02.01.2010
„Folgt auf die Arisierung die Helvetisierung?“, Tagesanzeiger, 31.12.2009
„Kriminelle“, „Ellbögler“ und „Deutsche“ – Aufstand der Professoren, 20 Minuten Online, 30.12.2009

One Comment

  1. [...] elende Deutsche Hure”, soll es in einem dieser Briefe an eine Deutsche geheißen haben.   Mögen die uns nicht mehr, die Schweizer?  Kaum ist die Minarett-Debatte  dort vorbei, wenden sich die Alpenländler wieder uns [...]

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