Schwedische Neonazis sollen die Drahtzieher hinter dem Diebstahl der Inschrift „Arbeit macht frei“ des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz sein. Das berichtet das schwedische Boulevardblatt Aftonbladet. Unter Berufung auf einen Insider heißt es dort weiter, der eiserne Schriftzug habe an einen Sammler verkauft werden sollen, um mit dem Erlös Terroranschläge zu finanzieren. Der Mann gab an, sich von der „zu laschen“ Neonazi-Szene getrennt und militanteren Gruppen angeschlossen zu haben.
Der polnische Fernsehsender TVP berichtete darüber hinaus, die Polizei kenne inzwischen die Namen des Auftraggebers sowie des Sammlers, der das Schild für rund 100.000 Euro kaufen wollte. Beide seinen schwedische Staatsbürger. In anderen Meldungen hieß es, der Sammler sitze in Großbritannien oder den USA.
Der polizeiliche Geheimdienst Schwedens (Säpo) wollte sich zunächst nicht detailliert zu den Medienberichten äußern. Ein Sprecher bestätigte allerdings, dass die Säpo Informationen über angebliche Anschlagspläne schwedischer Neonazis gegen den Reichstag, das Außenministerium sowie die Wohnung von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt nachgehe. Zu den Plänen zählte angeblich, im Parlament wahllos auf Abgeordnete zu schießen. Laut Geheimdienst sei geplant, im Vorfeld der Parlamentswahl 2010 möglichst viel Unruhe zu erzeugen. Mit den Schwedendemokraten (SD), die in Umfragen derzeit bei rund fünf Prozent liegen, hat bei den Wahlen im kommenden September erstmals eine offen rechtsextreme Partei die Chance, in den Reichstag einzuziehen.
Verbindungen der Diebesbande nach Schweden bestätigte inzwischen auch die Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft in Krakau, Boguslawa Marcinkowska. Man habe Stockholm deshalb am Mittwoch um Rechtshilfe gebeten. Der polnische Justizminister Krzystof Kwiatowski erklärte, die Untersuchung ziehe „weit größere Kreise, als wir ursprünglich dachten“.
Der fast fünf Meter lange und 30 Kilogramm schwere Schriftzug, der 1940 von polnische Häftlinge auf Befehl der deutschen Lagerleitung angefertigt wurde und am Haupttor des KZ Auschwitz hing, war Mitte Dezember entwendet worden. Fünf mutmaßliche Diebe wurden drei Tage später festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Die Täter wurden ermittelt, nachdem die polnische Regierung eine Belohnung für ihre Ergreifung in Höhe von umgerechnet 28 000 Euro ausgesetzt und möglichen Informanten absolute Anonymität zugesichert hatte. Angeblich sollte die Beute auf einer Fähre von Polen nach Schweden gebracht werden.
Die in drei Teile zerlegte Inschrift wird laut der britischen Tageszeitung Guardian derzeit repariert. Die Behörden kündigten an, mehr Überwachungskameras bei der Gedenkstätte im ehemaligen Vernichtungslager zu installieren und die Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen.
Im KZ Auschwitz und dem benachbarten Vernichtungslager Birkenau im besetzten Polen hat das NS-Regime zwischen 1940 und 1945 mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet. Die meisten Opfer waren Juden.
Weitere Meldungen zum Thema:
„Spur nach Schweden – Neonazis stecken hinter Diebstahl in Auschwitz“, jetzt.de, 30.12.2009
„Auschwitz-Inschrift wiedergefunden“, Badische Zeitung, 22.12.2009
„Polizei verhaftet mutmaßliche Diebe des Auschwitz-Torbogens“, Welt Online, 22.12.2009 (Video-Link)
„Auschwitz-Diebstahl weitgehend aufgeklärt“, DLF, Informationen am Abend, 21.12.2009 (Audio-Link)
„Diebstahl des Auschwitz-Schriftzugs – Polens Jagd auf drei deutsche Wörter“, Stern.de, 21.12.2009
„Auschwitz-Schriftzug gestohlen – Keine normalen Metalldiebe“, FAZ.net, 18.12.2009
„Gedenkstätte Auschwitz – ‚Der Diebstahl ist eine Entweihung‘“, Süddeutsche Zeitung, 18.12.2009
„‚Arbeit macht frei‘-Klau in Auschwitz – ‚Das ist eine Kriegserklärung‘“, Spiegel Online, 18.12.2009
„Israel empört über Diebstahl von Auschwitz-Schild“, Welt Online, 18.12.2009