Angefacht durch das Schweizer Minarettverbot und eine Rede von Nicolas Sarkozy, versuchen die Franzosen, ihre Identität zu ergründen – allerdings nicht so, wie vom Staatschef gedacht. Das berichtet Axel Veiel am 13. 12.2009 für die Neue Züricher Zeitung aus Paris. In seinem lesenswerten Beitrag heißt es unter anderem:
Zwei Drittel der Bürger hatten den um ihre Identität veranstalteten Wirbel als das ausgemacht, was er ist: ein politisches Manöver. Im Frühjahr sind Regionalwahlen. Da heisst es für die regierende UMP, den eigenen rechtsbürgerlichen Anhang zu mobilisieren und der rechtsradikalen Nationalen Front (FN) die Wähler zu abwerben.
Aber nun flammt die Diskussion über die «identité nationale» eben doch noch auf – nicht zuletzt dank dem Schweizer Volksentscheid, keine Minarette mehr zuzulassen. In Frankreich, wo etwa fünf Millionen Muslime leben, hat das Votum Besorgnis ausgelöst. «Wie hätten denn wir abgestimmt, wenn wir gefragt worden wären?», lautete die von der Nationalen Front öffentlich und von andern hinter vorgehaltener Hand gestellte Frage. Die Zeitung «Le Figaro» und das Umfrageinstitut Ifop gaben die von den Rechtsradikalen gewünschte Antwort: Die Mehrheit der Franzosen hätte ebenfalls für ein Verbot gestimmt. 46 Prozent dafür, 40 Prozent dagegen, 14 Prozent Enthaltung, lautete das Resultat.
Richtig entbrannt ist die Debatte aber erst, als sich auch noch Sarkozy zu Wort meldete. Der Präsident musste reagieren. Die Diskussion, die da in Gang gekommen war, war nicht mehr die seine. Die FN hatte sich ihrer bemächtigt. Im Namen der Nation und ihrer Identität forderte die stellvertretende FN-Chefin Marine Le Pen lautstark ein Minarettverbot. Der Staatschef blies zum Gegenangriff, hielt eine Grundsatzrede. Der Islam solle in Frankreich seinen festen Platz haben, wenn auch einen möglichst unauffälligen, stellte Sarkozy klar. Wobei er andere Worte wählte. Der Präsident rühmte „die gegenseitige Bereicherung und Durchdringung von Kulturen“. Er empfahl, über die Zulässigkeit von Minaretten am besten in einem Klima des Einvernehmens auf lokaler Ebene zu befinden. Und er appellierte an «diejenigen, die in Frankreich neu ankommen», ihre Religion in «demütiger Diskretion» auszuüben. Alles, was wie eine Herausforderung des christlichen, republikanischen Erbes des Landes aussehen könne, verurteile die Entstehung eines „Islam de France“ zum Scheitern, sagte Sarkozy. [weiter lesen]
[...] This post was mentioned on Twitter by Eurorex, Izmir Ögal. Izmir Ögal said: Frankreich: Sarkozy wünscht sich unauffällige Muslime- Angefacht durch das Schweizer Minarettverbot und e… http://bit.ly/4vz0RD [...]