Alle Augen sind gerade auf dieses Land gerichtet, auf seine Hauptstadt Kopenhagen, wo derzeit beim UN-Klimagipfel der Planet gerettet werden soll. Und wer sonst sollte der Welt den Weg in die Zukunft weisen, wenn nicht dieses Volk? Es ist das glücklichste der Welt – denn es hält Eindringlinge fern. Das zumindest meint Guido Mindels in einem sehr lesenswerten Beitrag des Tagesspiegel vom 13.12.2009 über Land und Leute zwischen Nord- und Ostsee: „Dänen geht’s gut“. Zur rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei schreibt er:
Vor einem Kiosk beim neubarocken Parlamentsgebäude, dem Folketinget, hängen die Schlagzeilen des Tages, und alle Titel zeigen denselben bärtigen Mann mit Sonnenbrille. So würde ein Kind einen Terroristen zeichnen, wenn es wüsste, was ein Terrorist ist. „Das ist der Mann, der uns töten will“, titelt das Revolverblatt „B.T.“. Kopenhagens Medien sind in Aufruhr, an diesem Herbsttag wurde bekannt, dass in Chicago unlängst zwei Männer mit arabischen Namen verhaftet worden sind, die nachweislich Anschläge auf die „Jyllands-Posten“ planten, jene Zeitung, die 2005 durch die Publikation von Karikaturen des Propheten Mohammed den Zorn der muslimischen Welt entfacht und Dänemark in eine internationale diplomatische Krise gestürzt hatte.
Solche Neuigkeiten sind das politische Kapital von Peter Skaarup, dem stellvertretenden Vorsitzenden der rechtsnationalen Dänischen Volkspartei, Dansk Folkeparti, die der Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen zu ihren dünnen Mehrheiten verhilft. Die Folkeparti ist Königsmacherin, wer an die Macht will, muss mit ihr ins Bett.
Nach einem endlosen Gang durch das labyrinthische Regierungsgebäude findet man Peter in seinem geräumigen Büro, er hat alte Stiche dänischer Landschaften an der Wand hängen und ein Poster seiner Parteichefin Pia Kjærsgaard. Auf das Foto blickend, verweist Skaarup mit Stolz auf den hohen Anteil an Frauen im dänischen Parlament, „auch da sind wir führend“. Seine Chefin, Pia, war es, die nach dem 11. September 2001 sagte, von einem „Kampf der Zivilisationen“ zwischen West und Ost könne keine Rede sein, denn es gebe nur eine Zivilisation, die den Namen verdient, „und das ist die unsrige“. Ein Parteikollege hatte den Islam als Pest in Europa bezeichnet, ein anderer als Krebsgeschwür.
In Dänemark sagt man, was man denkt. Peter Skaarup nun, kumpelhafter Typ, angenehme Stimme, gilt zwar auch als Scharfmacher, hat aber bessere rhetorische Manieren. „Gewisse Kulturen“, sagt er, „sind mit der dänischen einfach schwer vereinbar.“ Er zählt die problematischen Regionen an seinen Fingern ab: Pakistan, Irak, Palästina, die ländliche Türkei und so weiter. „Diese Männer wollen zum Beispiel ihre Frauen nicht arbeiten lassen, und das lassen wir nicht zu.“ Dänemark pflege eine selektive Migrationspolitik, „wir wollen gut ausgebildete Leute aus der EU oder auch aus Indien“, den anderen aber, die einfach nur ein besseres Leben suchen, helfe man lieber an Ort und Stelle. „Dänemark ist ein Luxus-Wohlfahrtsstaat“, sagt Peter, „der Eintrittspreis muss hoch sein.“ [weiter lesen]
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