Österreich | 14.12.2009 | eurorex

Österreich: FPÖ-Politiker Dieter Egger und das Bürgermeisteramt in Hohenems

In Hohenems wird derzeit viel über mögliche Pläne des umstrittenen FPÖ-Politikers Dieter Egger spekuliert, Bürgermeister der Kleinstadt im Vorarlberger Rheintal zu werden. Der Ort, in dem zwischen 1617 und 1938 eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden im süddeutschen Sprachraum ansässig war, bis ihre wenigen verbliebenen Mitglieder von den Nazis vertrieben oder deportiert wurden, ist heute eine Hochburg der rechtsextremen FPÖ. Eggert selbst eröffnete den diesjährigen Landtagswahlkampf in Vorarlberg mit einem antisemitischen Ausfall.

Steffen Arora erlaubt in der Tageszeitung Die Presse einen interessanten Blick hinter die bürgerlichen Fassaden einer Stadt, die damit offensichtlich kein Problem hat.

Es war im August dieses Jahres. Beim Auftakt zum Landtagswahlkampf der Vorarlberger FPÖ in seiner Heimatstadt Hohenems, lässt Spitzenkandidat Dieter Egger mit einer Verbalattacke gegen den Direktor des hiesigen Jüdischen Museums, Hanno Loewy, aufhorchen. Der „Exiljude aus Amerika in seinem hoch subventionierten Museum“ habe sich nicht in die Vorarlberger Innenpolitik einzumischen. Loewy hatte zuvor in einem offenen Brief die Wahlplakate der FPÖ (Slogan: „Elterngeld für heimische Familien“) kritisiert. […] Plötzlich war der bis dato unscheinbare FPÖ-Chef weit über die Grenzen seines kleinen Bundeslandes hinaus bekannt. Als Antisemit zwar, aber immerhin.

Die zweifelhafte neue Berühmtheit gereichte Egger in seiner alemannischen Heimat zum Kantersieg beim Urnengang im September. Zweitstärkste Partei mit mehr als einem Viertel der Stimmen. Ihr bestes Ergebnis erzielten die Freiheitlichen in Eggers und Loewys Heimatstadt Hohenems. Ausgerechnet in Vorarlbergs ehemals jüdischem Zentrum hielt Antisemitismus 37,98 Prozent der Wähler nicht davon ab, Egger ihre Stimme zu geben. Zugleich fuhr die ÖVP mit 39,78 Prozent in ihrer einstigen Hochburg das schlechteste Landesergebnis ein. […]

Und doch scheint ihm der Job als Oppositionsführer bereits langweilig geworden zu sein. Denn es mehren sich Gerüchte, dass Egger im März bei den Gemeinderatswahlen als FPÖ-Spitzenkandidat in seiner Heimatstadt Hohenems antreten wird. Darauf angesprochen, dementiert er nur halbherzig: „Ach, die Gretchenfrage. Die musste ja kommen. Da bleibt mir ja zum Glück noch etwas Zeit, um mich zu entscheiden.“

Chancen hätte Egger allemal. Denn der Exiljuden-Sager hat ihm in seiner Heimatstadt kein bisschen geschadet. Ganz im Gegenteil, wie ein rundlicher, älterer Herr, der auf dem Schlossplatz die Bauarbeiten am Emsbach beobachtet, erklärt: „Der Egger wäre schon gut für Hohenems. […] Nickend pflichtet ihm sein Kompagnon, der ebenfalls zum Baustellenschauen am Schlossplatz steht, bei. […] Der schnauzbärtige der beiden Herren outet sich als treuer FPÖ-Wähler und will „den Dieter“ im März als neuen Bürgermeister sehen: „Der schafft das.“

Auf die Frage, ob die Attacke gegen Hanno Loewy dabei nicht zum Stolperstein für Egger werden könnte, antworten beide Herren wie aus der Pistole geschossen: „Wieso? Jude ist doch kein Schimpfwort. Das wurde alles nur von den Medien aufgebauscht.“ Und überhaupt würden achtzig Prozent der Emser die Meinung des FP-Chefs teilen: „Nur traut es sich niemand zu sagen.“ Sie selbst wollen auch ungenannt bleiben. „Dieter“ sei schließlich „einer der Unsrigen“. Für Mitbürger Loewy haben sie weniger Sympathien übrig: „Der ist im Ort unbeliebt, nicht von hier, ein Exiljude eben.“ Das sei im Übrigen kein Schimpfwort: „Das ist so, wie wenn ich Scheißsteirer sage. Da würde niemand so beleidigt tun.“ [weiter lesen]

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>