Stephanie Polycarpou, Tine Maikowski und Jan Mehnert berichten am 15.10.2009 in der Wochenzeitung Jungle World über rechtsextreme Aktivitäten im griechischen und dem türkischen Teil Zypern. Unter dem Titel „Im Nationalismus vereint“ heißt es unter anderem:
Erst vor kurzer Zeit etablierten sich im griechischen Teil der Insel neben religiösen Nationalisten auch neofaschistische Organisationen. Die bekannteste ist die griechische Gruppe Hrisi Avgi (Der braune Sonnenaufgang, Jungle World 27/08), die in den vergangenen Jahren im griechischen Teil der Insel immer mehr an Einfluss gewonnen hat, insbesondere unter Jugendlichen, wie auch Gewalttaten im vergangenen Jahr zeigten. Diese erreichten ihren bisherigen Höhepunkt mit einem Angriff auf die Universität von Zypern während der Studierendenwahlen im März 2008, als die Faschisten, vermummt und mit Brechstangen und Hacken bewaffnet, Studentinnen und Studenten angriffen.
Seit April 2008 gründeten sich fünf weitere rechtsextreme Plattformen, die versuchen, in politische und gesellschaftliche Prozesse zu intervenieren. Neben Hrisi Avgi organisieren Gruppen wie Erste Linie, Griechischer Widerstand, United Greek Front, Movement for the Salvation of Cyprus Veranstaltungen zu religiösen, politischen und historischen Themen. Unter ihren Anhängern befinden sich allerdings nicht nur nationalistische Schläger, sondern auch Professoren, Anwälte, Politiker und Beamte. […]
Im türkischen Teil Zyperns gab es in den vergangenen Monaten zwar keine gewalttätigen Aktionen der Rechtsextremisten, aber auch die türkischen Faschisten sind mit ihren Organisationen auf der Insel aktiv. Es gibt die Grauen Wölfe, den Türkisch-Zyprischen Kämpferverband, die Nationalistische Volksbewegung, den TMT (die einstige Untergrundorganisation der türkisch-zyprischen Nationalisten) sowie deren Zeitung Volkan Gazetesi.
Im türkischen Nordteil wurde ein Erstarken der Rechtsextremen bei den letzten Parlamentswahlen im April deutlich. Die türkischen Zyprer stimmten mit einer deutlichen Mehrheit von rund 44 Prozent für Dervis Eroglou von der Partei der Nationalen Einheit UBP.