Italien | 27.09.2009 | eurorex

Italien: Gewalttätige Übergriffe auf Homosexuelle häufen sich

Kordula Doerfler berichtet am 26.09.2009 im Schweizer Tages-Anzeiger über die steigende Gewalt gegen Homosexuelle in Italien. Aktivisten fordern, dass das Parlament endlich ein Gesetz gegen Homophobie verabschiedet. In ihrem Beitrag schreibt sie unter anderem:

Seit dem Sommer häufen sich die Meldungen von gewalttätigen Übergriffen in Rom und anderen italienischen Städten, und in der Szene geht die Angst um. Jüngstes Opfer ist ein 26-Jähriger in Florenz, der brutal zusammengeschlagen wurde. «Es ist nicht so, dass wir jetzt ständig um unser Leben fürchten», sagt Giorgio N. Aber man passt noch genauer als sonst auf, was sich in der unmittelbaren Umgebung gerade abspielt.

Die meisten Angriffe gibt es in Rom

Zugleich aber wächst die Wut, gehen die Schwulenverbände in die Offensive. Mehrere grosse Demonstrationen haben in Rom bereits stattgefunden, die bisher größte am Donnerstagabend, als auch die politische Prominenz jeglicher Couleur aufmarschierte. Allen voran protestierte Roms rechter Bürgermeister Gianni Alemanno auf einem Fackelzug mit mehr als 20′000 Teilnehmern gegen Rassismus und Intoleranz.

Dabei machen viele in der Szene auch den Mann von der einstigen postfaschistischen Alleanza nazionale für ein politisches Klima und einen allgemeinen Rechtsrutsch in Italien verantwortlich, in dem Übergriffe gegen Minderheiten jeder Art salonfähig geworden sind – egal ob es sich um illegale Immigranten, Roma oder Schwule handelt. In den ersten acht Monaten diesen Jahres verzeichnete Arcigay, Italiens größte Homosexuellenorganisation, bereits mehr tätliche Angriffe als im gesamten Vorjahr. Die Hauptstadt steht dabei an der Spitze. „Rom ist für Homosexuelle viel gefährlicher geworden“, glaubt auch Vladimir Luxuria, ein politisch aktiver Transvestit.

Alemanno, dessen Anhänger seinen Wahlsieg mit dem verbotenen Duce-Gruss feierten, dachte, kaum im Amt, gleich über ein Verbot der jährlich stattfindenden Gay-Pride-Parade nach. Er habe nichts gegen Homosexuelle, versicherte er damals. „Aber ich bin gegen jede Art von sexuellem Exhibitionismus.“

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