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Europaparlament: Neue rechtskonservative Fraktion gegründet

Am 22. Juni 2009 hat sich im Europaparlament eine neue rechtskonservative Fraktion unter Führung der britischen Tories konstituiert. Sie firmiert unter dem Namen ‘European Conservatives and Reformists’ (ECR) und hat 55 Gründungsmitglieder aus acht Staaten. Mit weiteren potenziellen Partner wird derzeit noch verhandelt.

Besondere Kritik an dem Projekt, das im Frühjahr 2009 mit dem Austritt der britischen Konservativen und der tschechischen ODS aus der Fraktion der ‘Europäischen Volkspartei und europäischer Demokraten’ (EVP-ED) seinen Anfang nahm, betrifft die Einbeziehung nationalkonservativer und extrem rechter Parteien und Angeordneter.

So vertrat die polnische Partei ‘Recht und Gerechtigkeit’ (PiS) in der Vergangenheit wiederholt homosexuellenfeindliche Positionen und arbeitete eng mit dem antisemitischen Sender ‘Radio Maryja‘ zusammen. Der nationalistischen lettischen ‘Vaterland und Freiheit/LNNK’ wiederum werden die Nähe zu Traditionsverbänden der Waffen-SS und das Schüren anti-russischer Ressentiments vorgeworfen. Auch die belgische ‘Lijst Dedecker’ ist umstritten, weil sich die Rechtspopulisten in der heimischen Politik für die Einbeziehung des rechtsextremen ‘Vlaams Belang’ aussprechen.

Gründungsmitglieder der ECR-Fraktion sind:
Conservative and Unionist Party (Tories, Vereinigtes Königreich), 26 MdEP
Prawo i Sprawiedliwość (PiS, Polen), 15 MdEP
Občanská demokratická strana (ODS, Tschechien), 9 MdEP
Derk Jan Eppink von der Lijst Dedecker (LDD, Belgien), 1 MdEP
Hannu Takkula von der Suomen Keskusta* (Kesk, Finnland), 1 MdEP
Lajos Bokros vom Magyar Demokrata Fórum (MDF, Ungarn), 1 MdEP
Roberts Zile von Tēvzemei un Brīvībai/LNNK (TB/LNNK, Lettland), 1 MdEP
Peter van Dalen von der ChristenUnie (CU, Niederlande), 1 MdEP

*Die anderen zwei Mitglieder der Suomen Keskusta (Zentrumspartei) sitzen in der liberalen Fraktion ALDE.

Vorherige Fraktionszugehörigkeit
Die britischen Konservativen, die tschechische ODS und das ungarische MDF gehörten bis 2009 der christdemokratischen Fraktion EVP-ED an. Die polnische PiS und die lettische TB/LNNK kommen von der Rechtsfraktion ‘Union für ein Europa der Nationen’ (UEN). Die niederländische ‘ChristenUnie’ wiederum war Mitglied der von rechten Parteien wie der nationalistischen ‘United Kingdom Independence Party’ (UKIP) dominierten Fraktion ‘Unabhängigkeit/Demokratie’ (IND/DEM). Die im Jahre 2007 gegründete belgische LDD ist neu im Europaparlament. Alle Parteien gelten als EU-kritisch. Ihre Programmatik ist dem rechtskonservativen bis nationalistischen politischen Spektrum zuzurechnen.

‘Prager Erklärung’ – Die programmatische Basis der ECR
Arbeitsgrundlage der ECR-Fraktion ist die ‘Prager Erklärung’. Ihr Text lautet:

“CONSCIOUS OF THE URGENT NEED TO REFORM THE EU ON THE BASIS OF EUROREALISM, OPENNESS, ACCOUNTABILITY AND DEMOCRACY, IN A WAY THAT RESPECTS THE SOVEREIGNTY OF OUR NATIONS AND CONCENTRATES ON ECONOMIC RECOVERY, GROWTH AND COMPETITIVENESS, THE EUROPEAN CONSERVATIVES AND REFORMISTS GROUP SHARES THE FOLLOWING PRINCIPLES:

1. Free enterprise, free and fair trade and competition, minimal regulation, lower taxation, and small government as the ultimate catalysts for individual freedom and personal and national prosperity.
2. Freedom of the individual, more personal responsibility and greater democratic accountability.
3. Sustainable, clean energy supply with an emphasis on energy security.
4. The importance of the family as the bedrock of society.
5. The sovereign integrity of the nation state, opposition to EU federalism and a renewed respect for true subsidiarity.
6. The overriding value of the transatlantic security relationship in a revitalised NATO, and support for young democracies across Europe.
7. Effectively controlled immigration and an end to abuse of asylum procedures.
8. Efficient and modern public services and sensitivity to the needs of both rural and urban communities.
9. An end to waste and excessive bureaucracy and a commitment to greater transparency and probity in the EU institutions and use of EU funds.
10. Respect and equitable treatment for all EU countries, new and old, large and small.”

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